Die FESPA hat die wichtigsten Ergebnisse des „Print Census 2018“ bekannt gegeben. Diese Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen InfoTrends (Keypoint Intelligence) durchgeführt. An der Umfrage nahmen 1.405 Unternehmen teil, 12 Prozent mehr als beim letzten Print Census 2015. Mit Teilnehmern aus 102 Ländern hatte die Umfrage eine wesentlich größere geografische Reichweite als 2015 (+59 %). Daten wurden ganzjährig auf FESPA-Veranstaltungen und bei Verbandsmitgliedern in Europa, Eurasien, Mexiko, Brasilien, Thailand und Südafrika gesammelt.
Als Hauptgeschäftszweig gaben 17 Prozent der befragten Unternehmen Digitaldruck, 15 Siebdruck, zehn Prozent Werbetechnik/Display, 10 Prozent Textildruck, 13 Prozent Akzidenzdruck und Reprografie, 11 Prozent Grafik und Werbung und vier Prozent  Verpackungsdruck an.  
20  Prozent der Befragten antworteten mit „Andere“. Der FESPA zufolge zeigt das Umfrageergebnis, dass die Haupttrends der Umfrage von 2015 weiterbestehen und zum Teil, bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung und Technologieentwicklungen für die kundenindividuelle Massenproduktion, sogar verstärkt wurden.

1. „Optimismus“
Der 2015 geäußerte Optimismus sei 2018 noch größer: 83 Prozent der Befragten sagten aus, dass sie die Zukunft ihres Unternehmens optimistisch sehen (2015: 80 Prozent). Wie die FESPA erklärt, sei dies kein Wunder angesichts des anhaltenden Wachstums des Großformat-Digitaldrucks und einer laut Umfrageergebnis kumulierten jährlichen Wachstumsrate von 4,2 Prozent seit 2007. Heute werden 44 Prozent der Einnahmen mit Digitaldruck erzielt, in den nächsten zwei Jahren sollen es 53 Prozent werden.

2. Kundennachfrage
Der stetige Wandel der Druckindustrie zur kundenorientierten Servicebranche ist mit dem Trend zur kundenindividuellen Massenproduktion heute noch deutlicher als vor drei Jahren. Die Befragten berichten von einer größeren Nachfrage nach kürzeren Produktionszeiten (72 Prozent), kleineren Auflagen (61 Prozent) und Just-in-Time-Produktion (59 Prozent).

3. Entwicklung zu neuen Produkten im Großformatdruck
Banner machen heute den Löwenanteil der Werbetechnik-/Displayanwendungen aus. 68 Prozent der befragten Unternehmen produzieren regelmäßig Banner und die Hälfte sieht hier Potenzial für dauerhaftes Wachstum. Schilder und Plakatwände haben ihren Rang unter den Spitzenplätzen der Anwendungen behalten. Im POS-/POP-Bereich vermelden 59 Prozent der Unternehmen Wachstum. Über die Hälfte macht sich Entwicklungen bei digital bedruckbaren, selbstklebenden Substraten zunutze und produziert Hüllen, Fahrzeugwerbung und andere selbstklebende Produkte. Ein weiteres Wachstumsgebiet ist die gedruckte Innendekoration. 74 Prozent der Befragten sehen bei Tapeten und Deko-Produkten Potenzial für geschäftliches Wachstum.

4. Investitionen in Digitaldrucktechnologie
Auf die Nachfrage nach schneller Produktion, kleinen Auflagen und JIT-Erfüllung reagieren Druckereien mit strategischen Investitionen in digitale Technologie. Angesichts steigender Druckvolumen hat Kapazitätserhöhung bei Investitionen Priorität. Für 54 Prozent der Befragten ist dies der Hauptantrieb für Investitionen (2015: 34 Prozent). 53 Prozent möchten Kosten senken und ebenso viele erstreben mit Investitionen eine Diversifizierung und Erschließung neuer Märkte.
Auch Kundenzufriedenheit und Qualität stehen verstärkt im Mittelpunkt von Investitionen. 34 Prozent  der Befragten planen Investitionen in die Qualitätskontrolle, 28 Prozent in Web-to-Print und je 27 Prozent in Content Management in der Cloud sowie Farbmanagement, begleitet von Ausgaben für entsprechende Weiterbildung.
Die technische Entwicklung setze sich 2018 wie gehabt fort, teilt die FESPA mit: Einnahmen in den Bereichen UV-, Latex-, Direkt- und Sublimationsdruck wachsen, während der Druck mit lösemittel- und wasserbasierten Tinten und der Analogdruck zurückgehen. 27 Prozent der Befragten aus dem Segment Werbetechnik und Display planen den Kauf eines UV-Direktdruckers (Flachbett oder Hybrid), weitere 18 Prozent möchten in den UV-Rollendruck oder den Latexdruck investieren.
Hauptkriterium bei diesen Einkäufen ist die Produktivität. Für 63 Prozent der Befragten ist eine höhere Druckgeschwindigkeit der Hauptaspekt beim Kauf eines neuen Druckers. Das durchschnittliche Investitionsvolumen in Technik für den Werbetechnik- und Displaydruck ist mit 144.600 Euro 43 Prozent höher als 2015.

5. Textildruck
Der Print Census 2018 wurde auf den Erhalt detaillierterer Daten zum wachsenden Segment des Textildrucks ausgelegt. Die Gruppe der Befragten setzte sich zusammen aus Siebdruckereien, die hauptsächlich Textilprodukte herstellen, reine Textildruckereien und Textildirektdruckereien.
In allen Zweigen dominieren Bekleidungsartikel, wobei Sportbekleidung, Kleiderstoffe und Fast Fashion zu den am schnellsten wachsenden Bereichen gehören.
Die Umstellung auf Digitaldruck geht beim Textildruck langsamer vonstatten als anderswo, es dominieren hier weiterhin analoge Prozesse. Allerdings haben auch 56 Prozent der Textildruckereien bereits in digitale Technologie investiert und 19 Prozent planen eine solche Investition in den kommenden beiden Jahren, um von kürzeren Produktionszeiten, der Möglichkeit individueller Kollektionsgestaltung und Herstellung von Prototypen und von dem geringeren Wasser- und Stromverbrauch zu profitieren.
Die Produktionsgeschwindigkeit hat für 69 Prozent der Textildruckereien Priorität, 55 Prozent  möchten direkt auf unbehandelte Textilien drucken. Den Antrieb für solche Investitionen bildet die Forderung von Markenartiklern nach zeitkritischer Produktion mit entsprechenden Verbesserungen in der Lieferkette (z. B. Abfallvermeidung), einer besseren Reaktion auf saisonbedingte Spitzen und der lokalen Erfüllung. Unternehmen im Siebdruck- und Textildrucksegment erwarten für die kommenden beiden Jahre ein Wachstum des Digitaldruckanteils am Textildruck von 12 Prozent.

6. Umweltschutz
Der Fragenkatalog des Print Census 2018 wurde erweitert, um aktuelle Informationen zur Bedeutung einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Produktion zu gewinnen.
Es zeigt sich, dass Investitionen in umweltfreundliche Technik stark von Kundenerwartungen bezüglich nachhaltiger Produktion und Materialien beeinflusst sind. 76 Prozent der Befragten sagten aus, dass Kundenforderungen nach umweltfreundlichen Produkten in die Geschäftsstrategie einfließen, für über ein Fünftel gehören sie sogar zu den Top-Prioritäten.
32 Prozent erfüllen entsprechende Forderungen durch den Einsatz energiesparender oder zertifizierter Technik, weitere Bemühungen bestehen in Schulungen zum Thema Nachhaltigkeit, dem Einsatz VOC-freier Tinten und recycelbarer Substrate und in Programmen für das Recycling von Altausrüstung. 72 Prozent der Druckdienstleister konnten ohne Notwendigkeit einer Preiserhöhung investieren und sich so ihre Verkaufszahlen und preisliche Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Sean Holt, Executive Director der FESPA, erklärt: „Wir freuen uns über die Ergebnisse des Print Census 2018, die zeigen, dass eine rege, globale Gemeinde von Druckereien ein stabiles Wachstum genießt, Kapazitäten ausweitet und sich mit neuen Produkten und Dienstleistungen hervortut. Die Daten belegen die steten Bemühungen der Druckdienstleister, veränderliche Kundenerwartungen zu erkennen und zu bedienen. Diese Unternehmen haben kundenorientierte Entwicklungsstrategien mit gut geplanten Investitionen in Technologie und Fortbildung.“ Der FESPA Print Census berge relevantes Marktwissen, denn er spiegele die kommerzielle Realität von fast 1.500 Druckereien wider. „Die FESPA festigt seit fast einem Jahrzehnt mit kontinuierlichen Investitionen in die Forschung ihre Vordenkerstellung in der Branche“, so Ron Gilboa, Group Director, Production Technology bei Keypoint Intelligence. „Die Ergebnisse des Print Census 2018 werden FESPA-Mitgliedern bei der strategischen Geschäftsplanung helfen und können der globalen Gemeinde der druckenden Spezialdienstleister als Leitfaden für wichtige Wachstumsbereiche dienen. Der Print Census unterstreicht die Rolle der FESPA als Quelle aktueller Informationen für Innovatoren weltweit.“  

Der vollständige Print Census 2018 ist für Mitglieder der nationalen FESPA-Branchenverbände und von FESPA Direct kostenlos. Der Preis für Nichtmitglieder beträgt 2.000 Euro.

 

 

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